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Restaurierung einer klassizistischen Kommode (Louis-Seize-Möbel)

Referenz

Restaurierung einer klassizistischen Kommode (Louis-Seize-Möbel)

Restaurierung

Werktitel:Kommode (Klassizismus)
Entstehungsjahr:um 1790
Ort:aus Süddeutschland
Auftraggeber:Privatbesitz
Jahr des Projektes:2012

Besonderheiten

Dokumentation einer klassizistischen Kommode

Inhaltsverzeichnis:

1. BESCHREIBUNG
1.1. Datierung
1.2. Maße
1.3. Materialien
1.4. Allgemeine Beschreibung
2. KONSTRUKTION
3. SCHADENSBEFUND
3.1. Konstruktive Schäden
3.2. Schäden am Furnier
3.3. Schäden an der Oberfläche
4. FRÜHERE RESTAURIERUNGEN
5. RESTAURIERUNGSKONZEPT
6. MAßNAHMEN
6.1. Konstruktion
6.2. Furnier
6.3. Oberfläche
7. VERWENDETE MATERIALIEN
8. ZEICHUNGEN
9. ABBILDUNGSVERZEICHNIS
10. FOTOS
11. ANHANG

1. BESCHREIBUNG
1.1 Datierung
Kommode aus Süddeutschland; Louis - Seize - Möbel um 1790 aus Privatbesitz

1.2 Maße:
Höhe: 97,5 cm
Breite: 120 cm
Tiefe: 57 cm

1.3 Materialien    
Blindholz aus Fichtenholz,
Füße und Grundfurnier aus Nussbaumholz
Bandwerk aus Ahornadern, Zwetschge und Nussbaumholz
gedrückte runde Ringgriffe und Schlüsselschilder (nicht original) aus Bronze
Kastenschlösser und Schlüssel aus Eisen

1.4 Allgemeine Beschreibung
Der glatte, schlichte und rechteckige Korpus mit oben sowie unten profilierter Randleiste steht auf vier kurzen, gedrechselten Beinen mit Ringprofilen, die ein Eckklötzchen mit Würfelintarsie ausbilden. Die Kommode wird durch Traverleisten in drei übereinanderliegende Schubladen in horizontaler Richtung unterteilt (siehe Foto: 4, 8).
Das Blindholz ist an den Sichtseiten mit Ausnahme der Bandwerke ausschließlich mit Furnier aus Nussbaumholz in verschiedenen Farben und Maserungen abgedeckt. Das Furnierbild der Kommodenplatte ist zu einer Kreuzfuge zusammengesetzt. Ein geometrisches Bandwerk in der Kommodenplatte aus kontrastierenden, quergemaserten Furnieren umläuft zwei nebeneinanderliegende gerahmte Rechteckfelder aus Maserfurnier aus Nussbaumholz. Die Ecken des umrahmenden Bandwerks bestehend aus Ahornadern und Zwetschgenholz sind jeweils eingezogen und mit einem Quadrat aus gebeiztem Nussbaumholz ausgesetzt. Durch Federfriese werden die gerahmten Rechteckfelder eingefasst (siehe Foto: 7).
Das System dieser Rahmengliederung ist auf die Gestaltung der Schubladenfronten zu übertragen und wiederholt sich auch einzeln auf jeder der zwei Seiten. Jede Schubladenfront wird durch drei einheitlich gegliederte Felder unterteilt, wodurch drei kleinere Unterteilungen pro Etage vorgetäuscht werden sollen (siehe Foto: 4, 5, 6, 8).
Die untere Kante, sowie die Kommodenplatte werden durch jeweils eine an drei Seiten umlaufende Leiste, bzw. hervorstehenden Anleimer profiliert.
Die Schlüsselschilder und Beschläge mit Zugringen aus gedrücktem Messingblech dienen der zusätzlichen Verzierung sind aber nicht original. Die Verriegelung der Schubladen erfolgt durch innen aufgesetzte Kastenschlösser.
Auf der Rückwand ist in blauer Kreide LÜCH 51/4 geschrieben.

2. KONSTRUKTION
Das massive Konstruktionsholz ist Fichte. Die Kommode wurde in Bretterbauweise mit offen gezinkten Eckverbindungen angefertigt und anschließend einseitig an allen sichtbaren Seiten furniert. Der Korpus ruht auf einem zusammengezapften Sockelgestell, mit dem er durch Nutklötze verleimt ist. Die Rückwand ist eingefalzt und mit Holznägeln befestigt.
Die vier Laufleisten der zwei oberen Schubladen sind in die Seitenwände eingegratet und mit den Traverleisten durch Schlitz und Zapfen verbunden. Die beiden unteren sind auf den Korpusboden aufgeleimt.
Die Anschlagleisten der Schubladenfronten schlagen stumpf an den Korpus an. Die Böden der drei offen gezinkten Schubkästen sind aufgeleimt und verdübelt.

3. SCHADENSBEFUND
Der Vorzustand des Möbels ist, neben altersbedingten Schäden, wesentlich durch gebrauchsbedingte Abnützungen geprägt. Die Oberfläche zeigt einen kritischen Erhaltungszustand, wobei mehrere Schadensschwerpunkte auffallen:

3.1. Konstruktive Schäden
Die Beine wurden unterhalb der Eckklötzchen des Sockelgestells abgesägt und somit die Kommode in ihrem Gesamtbild gravierend verändert (siehe Foto: 1, 2, 3).
Die Laufleisten sind stark abgenutzt. Das hat zur Folge, dass der untere Schubkasten über das Bodenbrett und die beiden oberen Schubladen über die Kanten der Traversen laufen. Durch eine frühere Restaurierung sollten die entstandenen Schäden an den Laufleisten durch eine angeschraubte Aufdopplung mit Eichenleisten behoben werden, was jedoch zu starken Abnutzungen der Schubladenböden aus weicherem Fichtenholz führte. Die entstandenen Fehlstellen an den Unterseiten wurden in einer früheren Restaurierung entgegengesetzt der Holzfaserrichtung überfurniert.
Durch die unterschiedlichen Schwindmaße der Laufleisten und Seiten stoßen diese an die Rückwand an, oder drücken die Traverleisten aus der Gratnut heraus.
Die Schubkästen haben sich in ihren Verbindungen und Verleimungen gelockert. Die Bretter weisen zu schmale Zinken auf und sind folglich eingerissen. Die Befestigung der Beschläge hat sich mit der Zeit gelockert und zu einer Abnutzung der Bohrlöcher geführt.
Noch aktiver Wurmbefall kann trotz vorhandener Fluglöcher im Boden der dritten Schublade nicht festgestellt werden

3.2. Schäden am Furnier
Das Furnier hat sich teilweise vom Blindholz gelöst, da die verschiedenen Hölzer prozentual differenziert stark schwinden. Außerdem ist der zum Furnieren verwendete Glutinleim infolge wechselnder bzw. zu niedriger relativer Luftfeuchtigkeit versprödet). Dadurch hat sich in der Stoßfuge des gestürzten Furnierbildes der Kommodenplatte eine breite Fuge gebildet und das Blindholz zu sehen ist (siehe Foto: 9, 10, 11, 12).
Furnierfehlstellen sind an dem Korpus vorhanden, erscheinen aber zahlreicher an den Lisenen und Traverleisten, da die Schubladen durch ihre stark abgelaufenen Laufleisten über deren Kanten rutschen und diese dadurch beschädigt werden. Durch ungleiche Schrumpfbewegungen des Holzes wurden die Traverleisten aus der Gratnut der Seiten herausgerückt und haben dabei das Furnier der Lisenen weggebrochen.
Furnierablösungen treten vor allem am Bandwerk auf, wobei das Maserfurnier aus Nussbaumholz stellenweise eher eingerissen als gelöst vorkommt (siehe Foto: 9, 10, 11, 12). Das über das Hirnholz geleimte Furnier im Bereich offener Zinkenverbindungen hat sich allmählich gelost und wurde hochgestoßen.
Deutliche Kratzspuren und einige Nagellöcher sind in der Holzoberfläche zu erkennen.

3.3. Schäden an der Oberfläche
Auf der Kommode befindet sich ein Klarlack mit leicht geöffneten, bzw. eingefallenen Poren. Große Unterschiede lassen sich im Erscheinungsbild des gealterten Lacküberzuges feststellen, da Licht und Sauerstoff bei transparenten Lacken einen oxidativen Abbau, neben Glanz- und Transparenzverlust bewirken. Daraus resultiert Verspröden, Vergilben und Verbräunen ehemals hellen Firnisses (siehe Foto: 1, 2, 3, 9). Der unter den montierten Beschlägen vorgefundene Lack ist verdeckt und somit lichtgeschützt und weist große Unterschiede gegenüber den gealterten Lacküberzügen der Kommodenoberflächen auf. Dieser erlaubt einen Vergleich der unterschiedlichen Erhaltungszustände der Überzüge.
Bis auf eine starke Lackveränderung auf der linken Kommodenseite bei der aus einem glänzenden gelben Ton ein braunen Ton wurde, ist der überwiegende Teil der Klarlackoberfläche bis auf gebrauchsbedingte Abnützungen nahezu vollständig vorhanden. Großflächige und dunkle Retuschen heben sich vom Furnierbild ab. Durch erhöhte Feuchtigkeit konnte sich Staub fixiert zu einer fest anhaften Verschmutzung ablagern. Auf der stellenweise zerkratzten Oberfläche der Kommodenplatte sind kreisrunde Flecke deutlich zu erkennen. Zahlreiche kleine Sprünge im Lack sind durch das gerissene Furnier entstanden.
Ölspuren sind auf den Holz der Schubladeninnenseiten im Bereich der Schlösser zu sehen.

4. FRÜHERE RESTAURIERUNGEN
Mehrfache „Restaurierungen" sind an der Kommode durchgeführt worden, wobei der Zeitraum dieser Veränderungen nicht bekannt ist.
Bei einer früheren Überarbeitung wurden die gedrechselten Beine der Kommode abgesägt, Laufleisten durch Verschraubungen mit Eichenleisten aufgedoppelt und aufgeleimte Furniere an den Innenseiten der Kommode sollten den Zweck von Streifleisten erfüllen. Risse in der Rückwand wurden durch aufgenagelte Blendleisten verdeckt.
Die durch die aufgeschraubten Eichenleisten verursachten Abnutzungsspuren an den Schubladenböden wurden bei einer späteren Restaurierung ergänzt. Ein Großteil der ergänzten Furniere wurde nicht entsprechend dem vorhandenen Bestand eingepasst und abgestimmt. Es wurde dabei eine unsachgemäße Holzauswahl getroffen, oder stellenweise Fehlstellen gekittet. Um lose Furniere zu sichern wurden diese teilweise mit Stahlstiften fixiert (siehe Foto: 9, 10).
Dass es sich bei dem transparenten Klarlack um einen mehrschichtigen Überzugsaufbau handelt wird durch sichtbare Pinselstriche und Lackläufer an den Seiten der Kommode verdeutlicht. Großflächige und dunkle Retuschen wurden zwischen die Lackschichten aufgetragen.
Ein lndiz dafür, dass die Beschläge bei früheren Maßnahmen mindestens zweimal ausgetauscht wurden, wird anhand alter Spuren von Druckstellen, ergänzte Bohrlöcher und der ursprünglichen Farbqualität der Hölzer nach der Demontage der vorhandenen Beschlägen sichtbar.

5. RESTAURIERUNGSKONZEPT
Die Restaurierungsarbeiten sollen die Konservierung und Reinigung der Kommode, einschließlich Ergänzungen des Furniers, Festigungsmaßnahmen an gelösten Furnierteilen sowie die Wiederinstandsetzung der Laufrahmen beinhalten.
Durch eine Reduzierung des transparenten Lackes und Abnahme der Lackveränderung der linken Seite sollen die farbig unterschiedlichen und zerkratzten Oberflächen der Kommode durch das Auftragen eines sogenannten flüchtigen Lackes aus Naturharzen zu einem einheitlichen, matt glänzenden Gesamtbild zusammengefügt werden. Das Möbel soll seine erkennbaren Alterungs- und Abnutzungserscheinungen beibehalten.

6. MAßNAHMEN
Um auf das erwünschte Erscheinungsbild zu kommen wurden bei der Restaurierung folgende Arbeitsschritte durchgeführt:

6.1. Konstruktion
Eine konstruktive Festigung der vier abgesägten aber noch vorhandenen Füße wurde durch Verdübelungen und Verkittungen durchgeführt, um die Verbindungen ausreichend zu stabilisieren (siehe Foto: 4, 5, 6). Alle geöffneten oder gefährdeten Verbindungen, sowie die gelösten Traverleisten wurden gefestigt.
Für die Wiederinstandsetzung des Laufrahmens wurden zuerst die seitlich angeschraubten Eichenleisten von den abgenutzten Laufleistenflächen entfernt. Bevor die Laufleistenflächen und passgenauen neuangefertigten Ergänzungen aus feinjährigen Jahresringen mit Araldit verkittet wurden, wurde auf die Kittflächen eine Leimlösche aufgetagen.
Die auf den Boden des Korpus aufgeleimten Laufleisten der unteren Schublade wurden entfernt und durch neue ergänzt.
Gelöste Schubkastenböden mussten nachgeleimt werden.
Die Kommode ließ sich erst nach einer Reinigung der Schlüsselkästen zusperren.
Die alten Beschläge wurden ausgetauscht und durch neue, stilgerechte ersetzt.

6.2. Furniere
Das Festigen der Furniere und Niederleimen der aufstehenden Holzfasern erfolgt mit Glutinleim. Fehlende Ahornadern, Teile des Bandwerks, sowie fehlendes Furnier wurden in der entsprechenden Holzart ergänzt, dass sie dem vorhandenen Originalzustand entsprechen (s. 8. Zeichnungen). Waren die eingepassten Ergänzungen zu dunkel, wurde zuerst mit einer gesättigten Oxalsäure gebleicht und anschließend mit Essigessenz neutralisiert. Die Ergänzungen, sowie sichtbares Blindholz wurden mit Wasserbeizen und Aquarellfarben strukturell und farbig den angrenzenden Furnieren angepasst.
Die offene Stoßfuge des Furnierbildes der Kommodenplatte wurde mit Acryllkitt geschlossen. Alte, übergroße Kittungen wurden bis zur Bruchstelle begrenzt und poröse jüngere Kittausbesserungen wurden durch sachgerechte Holzausbesserungen ersetzt (vgl. Foto 9 und 12).

6.3. Oberfläche
Das Reinigen des Fichtenholzes erfolgte mit pH-neutralen Seifenwasser in Abhängigkeit vom jeweiligen Verschmutzungsgrad.
Bei der vorgefundenen Harzpolitur stellte sich eine Alkohollösichkeit heraus. Der unterschiedlich verfärbte und versprödete Überzug wurde angelöst und anschließend mit einem Schleifvlies reduziert, bis eine möglichst homogene, aber noch dicke Lackschicht rückständig war (siehe Foto: 10).
Für das Auftragen eines neuen Überzuges nach historischem Vorbild wurden zur Herstellung eines flüchtigen Lackes Sandarak und Mastix als Naturharze in Ethanol gelöst und als Zuschlag Balsamterpentinöl beigemischt.
Nach jedem der insgesamt viermal mit einem Pinsel aufgetragenen Überzüge wurde mit einem Schleifvlies die Schichtendicke des aufgetragenen Naturharzes reduziert und dadurch vereinheitlicht. Durch diese Maßnahme wurde die Oberfläche gleichzeitig verdichtet und mattiert. Auffällige Lackläufer waren trotzdem auf den Oberflächen durch den später aufgetragenen Lack zu sehen und es wurde beschlossen die Kommode abschließend mit in Ethanol gelösten Sandarak und Schellack auszupolieren (siehe Foto 4, 5,6, 7, 8, 12).

7. VERWENDETE MATERIALIEN
Für die Restaurierung der Kommode würde Fichtenholz, Nussbaumholz, Zwetschge und Ahorn verwendet sowie Buchendübel (8 mm)
Glutinleim: Knochenleim (Naumann) und Hautleim (Kremer) in Periform; Massenverhältnis 2:1
Reinigung: pH - neutrale Seifenlösung (Palmoliv)
Leimlösche: 5g Hautleim in l00 mI destilliertem Wasser
Kittungen:
a) Araldit SV 427, Härter HV 427 (MMP); (Fa. CIBA-GEIBY, Gößl und Pfaff)
b) Holzpaste, Acryllkitt (Fa. Clou)
Lösungsmittel: Ethanol
Wasserbeizen: Clou 151 Gelb, Clou 153 Orange, Clou 167 Nussbaum mittel
Aquarellfarben: (Fa. Schminke)
a) Sandarak und Mastix im Massenverhältnis 2:1 in 6 Teile Ethanol gelöst Zugabe von 1/8 Liter Balsamterpentinöl (Fa. Kremer) auf einen Liter Lack
b) Sandarak und Lemonschellack im Massenverhältnis 1:1 in Ethanol gelöst
Schleifmittel: Schleifpapier, Körnung 600 und 800,
Schleifvlies, „ultra fine" und „firie" ‚(Fa. Rosner)

8. ZEICHNUNGEN

9. Abbildungsverzeichnis Abb. Fotos:

VZ: Vorzustand
ZZ: Zwischenzustand
EZ: Endzustand

Abb. 1: Vorderseite der Kommode, VZ;
Abb. 2: Linke Kommodenseite, VZ;
Abb. 3: Seitliche Ansicht der Kommode, VZ
Abb. 4: Vorderseite der Kommode, EZ
Abb. 5: Linke Kommodenseite, EZ
Abb. 6: Seitliche Ansicht der Kommode, EZ
Abb. 7: Deckplatte der Kommode, EZ
Abb. 8: Seitliche Ansicht der Schubladenfronten, EZ
Abb. 9: Deckplatte, Detail, VZ;
Abb. 10: Deckplatte, Detail, ZZ (gereinigt);
Abb. 11: Deckplatte, Detail, ZZ (ergänzt);
Abb. 12: Deckplatte, Detail, EZ.

10. FOTOS